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Neuroscience: Unser Unbewusstes lenkt uns!

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Kommunikation - Persönlichkeit

Hirnforschung

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse aus der Hirnforschung
Das Jahrhundert des Gehirns liegt vor uns. Die letzten fünfzehn Jahre haben einen bahnbrechenden Erkenntnisprozess über die neuronalen Grundlagen unseres Erlebens und Verhaltens eingeleitet. Die Tragweite der Umwälzungen gehört durchaus in die Kategorie der Veränderungen, die Kopernikus oder Darwin eingeleitet haben.

Die Frage nach dem freien Willen wird zur Frage, wie unser Gehirn es anstellt, dass wir uns als Autoren dessen fühlen, was wir denken und tun (Grawe 2004).

Wenn es stimmt, das ausnahmslos alles, was wir denken, wissen, glauben, hoffen, fühlen, erleiden, entscheiden oder tun sich bis ins letzte Detail auf die Strukturen unserer Neuronen und Synapsen und der Prozesse, die sich zwischen ihnen abspielen, zurückführen lässt, wenn also das, was wir als seelisch bezeichnen, sowohl in seiner Existenz als auch in seiner Beschaffenheit vollständig eine Hervorbringung neuronaler Schaltkreise ist, dann gibt es viel zu überdenken. Es wird zwar noch lange dauern, bis das neue Bild des Menschen, das da gerade entsteht, ins allgemeine gesellschaftliche Bewusstsein eingedrungen ist. Die neuen Erkenntnisse aus dem Bereich der Hirnforschung sind aber heute schon so interessant und neu, dass wir uns damit beschäftigen sollten.

Das Unbewusste – unser Gebiete
Was Altmeister Freud schon richtig erkannte, unser Unbewusstes ist eine starke Macht. Heute kann uns die moderne Neurosciences nachweisen, dass das Unbewusste existiert und seine Führungsqualitäten sind unbestritten. Es lenkt uns auf rätselhafte Weise durch unser gesamtes Leben – ob wir unser Auto steuern, mit dem Fahrrad fahren, mit einem Kollegen streiten oder den richtigen Partner wählen. Der Einfluss unseres Unbewussten ist jeden Moment vorhanden.

Manche Forscher ziehen aus den neuesten Forschungsergebnissen noch radikalere Schlüsse: Unsere gesamte Kreativität, alle Ideen, Ziele, Motive, alle unsere Vorstellungen von der Welt, alles seien Produkte unbewusster Prozesse.

Das Unbewusste befiehlt nicht, es arbeitet ganz subtil, es flüstert und wispert, es hat ohnehin das Sagen. Es ist Herr über unseren gesamten Wissensspeicher, es ist Datenfilter und Steuermann und dazu noch Dolmetscher. Denn es hilft uns bei einer wichtigen Übersetzungsarbeit: andere Menschen schnell und treffsicher zu interpretieren – sie könnten ja Feinde sein.

Was ist das Unbewusste eigentlich, wie kann man es sich vorstellen?
Ganz einfach: das Unbewusste ist alles, was uns gerade nicht bewusst ist. Ein riesengroßer Speicher. Unser Bewusstsein arbeitet wie ein Bühnenscheinwerfer, der wirft das Licht auf das was uns in diesem Moment bewusst ist. Der Rest liegt im Dunkeln, wie unser Unbewusstes.

Es ist also etwas wirklich Grandioses in uns, das sich völlig unserer Kontrolle entzieht.

Mit tausenden von Versuchen haben die Hirnforscher in den letzten Jahrzehnten versucht, das Gehirn zu begreifen und die Reiche des „Ich“ und des „Es“ wenigstens grob zu identifizieren. Sie fanden heraus, dass das bewusste Denken im assoziativen Cortex der Großhirnrinde liegt. Sie ist die Hüterin der Logik, die eine Handlung völlig rational abwägen kann. Das Unbewusste hingegen regiert tief in den entwicklungsgeschichtlichen alten Hirnstrukturen, etwa im limbischen System, wo die Emotionen, Wünsche und Motive beheimatet sind.

Sind wir Herr über unsere Handlungen?
Seit den Experimenten von Libet und Co. ist es mit der jahrhundertealten Überschätzung des Bewusstseins zu Ende. Er und seine Kollegen haben zweifelsfrei nachgewiesen, dass lange bevor wir uns gedanklich für etwas entscheiden unsere Hirnströme bereits die Entscheidung eigenständig gefällt haben. Unsere Neuronen waren längst aktiv, etwa eine halbe Sekunde vor der bewussten Entscheidung. Unser „Ich“ glaubt nur, dass wir die Entscheidung bewusst ausführen, doch unser Unbewusstes hat sich schon vorher entschieden. „Wie sind die Letzten, die erfahren, was unser Gehirn vorhat“, so der amerikanische Neurowissenschaftler Michael Gazzaniga. Der freie Wille ist also eine Farce, wir haben somit nur noch die Chance, die bereits gefällte Entscheidung zu verhindern.

Das Unbewusste ist die Kraft, die uns lenkt
Es ist hilfreich und agiert vollautomatisch Stunde für Stunde, Tag für Tag. Es hält uns den Kopf frei für die wichtigen Dinge zum Beispiel wenn wir beim Autofahren auf eine Umleitung treffen. Dann schaltet sich sofort das Bewusstsein ein. Und das verschlingt etwa achtzig Prozent der Energie im Gehirn. Das Unterbewusstsein kommt hingegen mit zwanzig Prozent aus. Denn das Bewusstsein muss für alles, was über die Routine hinausgeht, neue Netzwerke anlegen, Botenstoffe und Rezeptoren in Sekundenschnelle hochfahren und dabei andere Körperfunktionen drosseln. Bewusstsein ist also ein Luxus und deshalb schaltet das Gehirn, sooft es nur kann auf Autopilot, denn der arbeitet billig, schnell und exakt. Das macht Sinn: Wir sparen uns dann Energie für Neues, für eventuelle Gefahren auf.

Filter steuern unsere Wahrnehmung
In jeder Sekunde trommeln etwas über 24 Milliarden Bits Sinneseindrücke auf uns ein, von denen wir nahezu nichts wahrnehmen. Wie sitzen wir auf dem Stuhl, wie hart ist der Sitz, wie bequem sind die Schuhe, wie ist die Raumtemperatur? Bewusst erleben wir lediglich maximal 40 Bits pro Sekunde. Wo bleibt der riesengroße Rest? Er versinkt in unserem Unbewussten, in den Tiefgeschossen unseres Hirns, die eine Unmenge von Sinneseindrücken speichern.

Das Unbewusste schläft nie
Unser Gehirn ist immer aktiv. Informationen fließen ständig und beeinflussen unser Verhalten. Davon lebt zum Beispiel auch die Werbung. Ständige Wiederholungen lassen die Markennamen ins Unbewusste sickern und beeinflussen so unbemerkt unser Kaufverhalten. Denn alles was unbewusst im Gedächtnis schlummert, wird später als vertraut und sympathisch eingeschätzt und damit auch eher ausgewählt und gekauft.

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