Wertschätzung und Lenkung
Geschrieben von: D.Kröber Freitag, den 13. November 2009 um 14:30 Uhr
Der partnerschaftliche FührungsstilHaben Sie das auch schon erlebt? Ihr Gesprächspartner bezieht in Gedanken bereits Stellung, noch während Sie sprechen. Er lächelt, er schüttelt den Kopf, er nickt beispielsweise oder legt die Stirn in Falten. Und wie oft haben Sie schon bemerkt, dass Ihr Gesprächspartner die Ablehnung Ihrer Worte auch auf Ihre Person übertragen hat? Denn manchmal ist das einfach nicht mehr zu trennen und aus der Ablehnung des Themas wird automatisch eine Ablehnung oder zumindest eine mangelnde Beachtung der Person.
Wie kommt es, dass zwischen den Gedanken und dem Vortragenden kaum unterschieden wird? Dies hängt mit unseren automatischen Filtern zusammen. In diesem Fall geht es um das Verallgemeinern. Und wir Menschen haben ein Bedürfnis zu Verallgemeinern, denn durch Verallgemeinern reduzieren wir die Komplexheit unserer Umwelt auf eine überschaubare Einheit. Doch dieser Vorteil des Menschen hat auch eine Kehrseite, denn hinter einer Verallgemeinerung steckt meistens eine subjektive Bewertung.
Bewerten statt Wahrnehmen
Schon die Aussage: „Das ist gut!“ stellt eine Bewertung dar, denn eigentlich müsste es heißen: „Für mich ist das gut!“ Alles, was wir im Gespräch aufnehmen – also wahrnehmen – wird in vielen Fällen sofort gedeutet, also interpretiert und bewertet. Wir fragen uns dabei immer, was hat denn der andere damit gemeint? Wir bewerten also die Äußerung und reagieren entsprechend. Fazit: Wir reagieren nicht auf das was wir hören, sondern auf unsere Interpretation und die daraus folgende Bewertung des Gesagten.
Wertschätzung gegen Geringschätzung
Dabei ist es egal, wie unsere Erwiderung ausfällt, sie lässt sich auf einer Skala zwischen Wertschätzung und Geringschätzung einordnen. Auch wenn wir uns nicht bewusst entscheiden, in jeder Äußerung schwingen noch mehr Dinge mit als die reine Sachinformation. In jeder Äußerung schwingt mit, in welcher Beziehung wir zum Gesprächspartner stehen. Und zwar verbal und nonverbal. Die Beziehung kommt oftmals durch die Gestik, die Mimik und den Tonfall zum Ausdruck.
Freiheit und Lenkung
Neben der Beziehung gibt es aber noch die Bedeutung, die Wichtigkeit des Gesagten. Und je wichtiger das Gesagte für Sie ist, umso eher werden Sie versuchen Ihren Gesprächspartner zu lenken. Je unwichtiger das Gesagte ist, umso eher werden Sie Ihrem Gesprächspartner die Freiheit einräumen, etwas anderes zu meinen oder zu denken.
Kombinieren wir nun diese beiden Verhaltensweisen „Wertschätzung/Geringschätzung“ und „Freiheit/Lenkung“ miteinander so ergibt sich ein Achsenkreuz, in dem die vier Quadranten vier deutlich wahrnehmbare Gesprächsstile bezeichnen: Autoritär, antiautoritär, laisser-faire und partnerschaftlich.
Gesprächsstile sind Führungsstile
Kommunikation und Führung hängen eng zusammen. Kommunikation ist die Grundlage von Führung und ohne Kommunikation ist keine Führung möglich. Kombinieren wir den lenkenden Einfluss mit Geringschätzung, so ergibt sich der „autoritäre“ Stil – dabei ist mir das Ziel wichtiger als der Partner. Wollen wir bei gleicher Geringschätzung die Freiheit des Gesprächspartner unbeeinflusst lassen, so führt dies zu Gleichgültigkeit oder „laisser-faire“.
Verzichten wir auf Lenkung und räumen Freiheit ein, so sprechen wir „antiautoritär“ – der andere ist mir in diesem Fall gleichgültig und kann machen was er will.
Jetzt bleibt noch die Kombination aus Lenkung und Wertschätzung, was wir als partnerschaftlichen Stil bezeichnen – der Partner ist mir nicht gleichgültig, er darf grundsätzlich einen anderen Standpunkt haben, ohne dass ich ihn deshalb geringschätze. Gleichzeitig vertrete ich aber meinen Standpunkt ganz entschieden. Auf eine Formel gebracht lautet dies: „Du willst x und ich will y!“ Dieses sprachliche Muster schätzt beide Positionen und macht deutlich, dass die ausstehende Entscheidung wirklich offen ist.
Wertschätzung und Lenkung
Als Führungskraft ist es für Sie von Vorteil, wenn Sie Ihren Gesprächspartner zunächst wertschätzen und seine Meinung gelten lassen: „Du willst x…“ Genauso wichtig ist es aber, dass Sie Ihre Meinung unmissverständlich formulieren: „…und ich will y!“ und mit der Meinung des anderen verknüpfen. Vermeiden Sie dabei das Wörtchen „aber“ und verbinden Sie die beiden Aussagen mit „und“. Denn das Wörtchen „und“ gibt den beiden Positionen erst das gleiche Gewicht.
ABBILDUNG: Abb.:
Partnerschaftlicher Dialog = partnerschaftliche Führung
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Mitarbeiter will eine preiswerte Urlaubsmöglichkeit nutzen und bringt damit die ganze Abteilung in Kapazitätsprobleme. Wie würden Sie reagieren?
Ein Beispiel für partnerschaftliche Führung durch Wertschätzung und Lenkung:
„Ich verstehe, dass dieser Urlaub eine gute Gelegenheit für Sie ist, mir ist wichtig, dass die laufende Arbeit ohne Verzögerung und Probleme erledigt werden kann.“ Soweit haben Sie Ihren Standpunkt deutlich gemacht und gleichzeitig Verständnis für den Wunsch des Mitarbeiters gezeigt. Jetzt können Sie noch die Kreativität Ihres Mitarbeiters einspannen, denn er hat Ihnen ja dieses Problem eingebrockt und soll deshalb auch selbst nach einer Lösung Ausschau halten. Fragen Sie ihn deshalb: „Sehen Sie Möglichkeiten, dies zu verhindern?“
Übung macht den Meister
Hören Sie in Zukunft einfach mal genau auf Ihre Worte und üben Sie sich darin Wertschätzung und Lenkung zu verbinden. Sie werden sehen, wie einfach dies geht und wie partnerschaftlich dadurch Ihre Zusammenarbeit werden kann. Dann werden Sie diese Gesprächstechnik nicht mehr missen wollen.
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