Chefsache Gesundheit
Geschrieben von: Administrator Freitag, den 13. November 2009 um 14:21 Uhr
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Mitarbeiter fit für die täglichen Herausforderungen machenDie Anforderungen an den Menschen in der Arbeitswelt haben sich grundlegend geändert. Waren es früher mehr körperliche Arbeiten, die einen am Abend müde nach Hause gehen ließen, sind es heute oft Stress, Mobbing und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die uns zusetzen – körperlich wie seelisch. Ungenügende Bewegung, mangelhafte Ernährung und eine ständige Anspannung sorgen so in vielen Unternehmen dafür, dass erhöhte Krankenstände nicht nur die Qualität der Arbeit mindern, sondern auch hohe Kosten verursachen.
Der Umgang mit Veränderungsprozessen will gelernt sein, ebenso wie die grundlegende Anforderung, dabei als Mensch ausgeglichen und gesund seinen Mann oder seine Frau zu stehen. Halten die Mitarbeiter dem erhöhten Arbeitsaufkommen, der geforderten Flexibilität, dem ständigen Zeitdruck und der oft einseitigen körperlichen Belastung nicht stand, leiden die Arbeitsergebnisse. Demotivation und Burnout sind die Folgen für den Einzelnen, dem mittelständischen Unternehmen kosten Ausfallzeiten Energie und letztendlich viel Geld. Deshalb rückt immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, was Mitarbeiter nachhaltig leistungsstark hält. Die Verantwortung dafür tragen Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen.
Betriebliche Gesundheitsförderung
Theoretisch ist es den meisten Menschen bewusst: Wir ernähren uns unausgewogen, essen zu viel, zu fett, zu süß oder zu salzig (Ernährungsbericht 2004 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung). Wenn wir laufen oder Treppen steigen, kommen wir (zu) schnell außer Puste. Verspannungen und Schmerzen der Muskulatur (häufig des Rückens) gehören zum Volksleiden Nr. 1. Menschen funktionieren oft wie eine Maschine, leisten Überstunden, essen schnell mal etwas zwischendurch, sind immer am Ball... und vergessen dabei doch ihre ureigenen Bedürfnisse wie regelmäßiges Essen und ausreichend Schlaf, Bewegung und Entspannung. So kann auf Dauer kein Mensch sein Leistungspotenzial erhalten, was weder im Sinne des Einzelnen ist (der dadurch seine Gesundheit aufs Spiel setzt) noch im Sinne des Unternehmens (das mittelfristig mit einem krankheitsbedingten Ausfall rechnen muss). Eine beispielhafte Rechnung für entstandene Kosten durch Krankheit eines Mitarbeiters demonstriert dies eindrucksvoll:
- Arbeitseinsatz ca. 20 Arbeitstage à 8 Stunden
- Bruttoentlohnung pro Stunde 13,80 €
- monatl. Bruttoverdienst 2208,78 €
- zuzüglich Sozialabgaben 2664,85 €
Gesundheit als gemeinsames Ziel
Zukunftsorientierte Unternehmen entwickeln jetzt Strategien (und Maßnahmen), die helfen, Fehlzeiten zu reduzieren, Leistung und Mitarbeitermotivation zu erhöhen sowie Flexibilität und Kreativität in den einzelnen Abteilungen oder Teams zu fördern. Gleichzeitig sollte natürlich auch die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter in diesem Bereich gefördert werden.
Die Gesunderhaltung der Mitarbeiter ist ein „arbeitslebenslanger“ Prozess mit sich ständig ändernden Anforderungen. Prävention ist in unserer Kultur ein zartes Pflänzchen, welches ein einstimmiges Ja benötigt und zur Chefsache ernannt werden sollte. Einzelmaßnahmen sind dabei kaum hilfreich. Vielmehr bedarf es eines umfassenden, durchdachten und individuell auf den Betrieb zugeschnittenen Konzepts.
- Gesundheitsstrategien für den einzelnen Mitarbeiter:
- Ernährung (jährliche Ausgaben für ernährungsbedingte Krankheiten betragen 76 Milliarden Euro)
- Bewegung (der Durchschnittsbürger bewegt sich noch 300m am Tag)
- Entspannung/genügend Schlaf
- Umgang mit Suchtmitteln
- Gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb
- Gesundes Arbeitsumfeld
- Sicherer Arbeitsplatz
- Kommunikation
- Kollegialer Umgang
- Arbeitsbelastung
Nur mit einem Konzept, das Arbeitsumfeld und den einzelnen Menschen anspricht, ist eine effektive betriebliche Gesundheitsförderung möglich. Dabei spielt die Führungsaufgabe eine entscheidende Rolle. Hier wird nicht nur vorgelebt, sondern auch die Unternehmenskultur geprägt. Unternehmen, die ihre soziale Verantwortung ernst nehmen, integrieren die betriebliche Gesundheitsförderung als festen Bestandteil in das Personalwesen und die Arbeitsorganisation. Neben der Planung, über die Umsetzung bis zur Überprüfung der Ziele, wird hier auch ein Schwerpunkt auf die individuelle Vorsorge gelegt. So muss jedem Mitarbeiter klar sein, dass betriebliche Maßnahmen nur greifen, wenn auch er oder sie bereit ist, zur Stärkung der persönlichen Ressourcen beizutragen.
Das Kennen der eigenen Stolperfallen im Alltag, die uns daran hindern, das volle Leistungspotential auf Dauer zu erhalten, ist ein wesentlicher Schritt, um wirklich fit für die täglichen Anforderungen zu werden. Ernährung, Bewegung und Entspannung tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, dauerhaft gesund zu bleiben und die eigene Schaffenskraft über den Arbeitstag hinaus zu erhalten. Folgende Tipps helfen Ihnen, das theoretische Wissen, das oft vorhanden ist, auch in die tägliche Praxis umzusetzen und erste konsequente Schritte hin zu einer persönlichen Gesundheitsförderung zu tun:
- Ernährung:
Stellen Sie sich vor, Sie planen eine Expedition (z.B. eine mehrtägige Bergtour). Kämen Sie auf die Idee, ohne Getränke und Nahrung loszugehen?
- Planen Sie Ihre Mahlzeiten, wie alle anderen wichtigen Tagesgeschäfte. Wann, wie oft, was und mit wem?
- Je nach Typ können das drei Hauptmahlzeiten sein, bei „Schnellverdauern“ sind zwei kleine Zwischenmahlzeiten sinnvoll, denn Heißhunger verleitet dazu, schnell etwas Fettiges oder Süßes zu essen.
- Unsere Arbeitsleistungen erfordern immer weniger Nahrungsenergie, nicht aber Mineralstoffe, Vitamine und weitere lebensnotwendige Inhaltsstoffe.
Vergrößern Sie Ihre Portionen (täglich fünf mal eine Hand voll) an Obst und Gemüse. Bevorzugen Sie fett- und zuckerarme Lebensmittel. Gute Rezepte finden Sie bei den Anwohnern des Mittelmeerraums. - Trinken ist für die Denkleistung von ungeheurer Wichtigkeit. Zwei Liter über den Tag verteilt, als Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees, verdünnte Obstsäfte genossen, halten Sie fit.
- Essen Sie bewusst; wie schnell ist eine Tafel Schokolade, eine Tüte Chips aufgegessen, die sich gemütlich um Ihre Hüften legen.
- Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre, denn ein gestresster Magen verdaut nicht gern.
- Bewegung:
Versuchen Sie möglichst die 300m zu unterschreiten! Benutzen Sie so wenig wie möglich Ihren Bewegungsapparat, denn dessen Schonung hält ihn fit. Schön wäre es!
- Muskeln, die nicht gebraucht werden, bauen sich ab. Bandscheibenvorfälle, Herz- Kreislauf- Erkrankungen sind an der Tagesordnung.
- Mit einer halben Stunde Bewegung am Tag, einmal täglich außer Puste kommen, erhöhen Sie Ihre Leistungsfähigkeit nachweislich.
- Sie können mit Hilfe eines Schrittzählers Ihre geleisteten Kilometer überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
- Muskeltraining benötigt nicht unbedingt ein Fitnessstudio. Mit der eigenen Körpermasse und z.B. Hanteln können Sie Ihre Muskeln gezielt auch zu Hause kräftigen.
- Entspannung:
Sie wissen nicht, wie Sie von 180 auf 100 kommen oder besser noch, Sie merken nicht, dass Sie auf 180 sind?
- Wie sieht Ihr Tagespensum aus?
- Ist überhaupt Platz für Auszeiten? Wenn nicht, dann planen Sie täglich eine halbe Stunde für Dr. Relax ein.
- Wie diese Zeit zur Entspannung genutzt werden kann, ist individuell verschieden, z.B. körperliche Betätigung, musizieren, nichts tun.
- Legen Sie sich ein Puzzle mit einem schönen Motiv ins Büro, ein paar Minuten puzzeln, klären den Geist ungemein.
- Umgeben Sie sich mit fröhlichen Menschen; Lachen schüttet Glückshormone aus.
Weitere Infos: www.kopfarbeit.org.
Beitrag von Annette Kadus und Barbara Hess-Häusler, kopfarbeit, Karlsruhe*
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