Erfolgreiche Unternehmensübergabe
Geschrieben von: Administrator Freitag, den 13. November 2009 um 14:51 Uhr
Management - weitere Artikel: MANAGEMENT
Management/UnternehmensnachfolgeDer Mittelstand setzt das Thema „Unternehmensnachfolge“ verstärkt auf die Tagesordnung. Aus gutem Grund, denn von den 70.000 übergabereifen Unternehmen werden laut des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn allein 5.000 Unternehmen mangels Nachfolger stillgelegt. Das am häufigsten gewählte Nachfolgemodell ist die Übergabe an Familienmitglieder (45,6%), während 19,2% der Unternehmen verkauft werden. Externe Führungskräfte übernehmen zu 16,1%, eigene Mitarbeiter zu 12,1% die Unternehmensnachfolge (Management-Buy-IN/Buy-OUT). Unabhängig von der Wahl des Nachfolgemodells ist eine sorgfältige und vor allem rechtzeitige Planung der Unternehmensübergabe erforderlich. Denn jährlich müssen für 18.000 deutsche Unternehmen außerplanmäßig und unerwartet Nachfolger gesucht werden.
In unserem Interview beantworten die beiden Gesellschafter der Unternehmensberatung FARE Consult GmbH unsere Fragen zu den wichtigsten Aspekten der Nachfolgeregelung.
Mittelstand-Spezial:
Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich zu einer zentralen Thematik für den Mittelstand.
Geries:
Es ist in der Tat so, dass die Unternehmensnachfolge im Mittelstand gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten eine zunehmende Bedeutung erfährt. Zum einen soll natürlich der Fortbestand gesunder Unternehmen grundsätzlich gesichert werden, zum anderen müssen die Modalitäten der Übergabe aber auch langfristig den Erfolg des Unternehmens gewährleisten.
Harder:
Die Existenz einer Nachfolgeregelung ist durchaus ein kritischer Faktor bei einem Rating. Umfasst die Nachfolgeregelung sowohl den planmäßigen als auch den außerplanmäßigen Fall, macht sich das deutlich positiv in der Beurteilung des Managements bemerkbar.
Mittelstand-Spezial:
Wie stellt sich die grundsätzliche Vorgehensweise bei der Unternehmensübergabe aus Ihrer Sicht dar?
Geries:
In einem ersten Schritt sollte ein Rahmenkonzept entwickelt werden. Das zur Übergabe anstehende Unternehmen muss einer Analyse und Bewertung unterzogen werden. Der Unternehmenswert wird also ermittelt und plausibilisiert. Dann sollten Gestaltungsalternativen der Nachfolgeregelung mit ihren jeweiligen wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Konsequenzen umfassend erörtert werden. Anschließend werden Handlungsalternativen vorgestellt. Sobald der Unternehmer seine Wahl hinsichtlich des Übertragungsmodus getroffen hat, beginnt man mit der präzisen Ablauf- und Zeitplanung und natürlich mit der Umsetzung.
Mittelstand-Spezial:
Welche Fehler sollte man bei der Nachfolgeregelung unbedingt vermeiden?
Geries:
Die häufigsten Fehler, die zum Scheitern eines Nachfolgeprojektes führen, sind Finanzierungsfehler, steuerliche Fehlentscheidungen sowie die falsche Beurteilung rechtlicher Fragen. Es empfiehlt sich also, die Unterstützung externer Berater zu suchen, die den Nachfolgeprozess koordinieren und professionell begleiten, um diese Fehler zu vermeiden.
Harder:
Außerdem sollen grundsätzliche Überlegungen zur Nachfolge rechtzeitig angestellt werden. Ein gut vorbereiteter Übergang des Unternehmens hilft Kosten sparen. Für die Unternehmensnachfolge gibt es keine Patentrezepte oder Standardlösungen. Es muss vielmehr ein individuelles Nachfolgekonzept erstellt werden.
Auf der Suche nach dem Nachfolger
Der Trend geht zur Übergabe an externe Nachfolger. Während in den vergangenen Jahren die Nachfolger noch zu drei Vierteln aus der Familie kamen, sind dies heute nur noch knapp die Hälfte. In vielen Fällen wollen die Kinder heute eigene Wege gehen und haben kein Interesse am Unternehmen. Auch Mitarbeiter als Nachfolger sind die Ausnahme – nämlich gerade mal 12 Prozent. Externe Nachfolger haben in fast allen Belangen mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen als familieninterne, denn meist sind die Kinder schon im Unternehmen tätig, bevor sie es übernehmen.
Problem Finanzierung
Das größte Problem stellt aber die Finanzierung dar. Ein Drittel der Unternehmen werden vom Nachfolger gekauft, während bei familieninternen Übernahmen fast jedes zweite Unternehmen verschenkt oder vererbt wird. Hausbanken spielen eine zentrale Rolle bei der Finanzierung. In 70 Prozent der Fälle in den vergangenen fünf Jahren waren sie in die Nachfolgefinanzierung mit eingebunden.
Die gute Vorbereitung ist wichtig
Eine Betriebsübernahme muss gut vorbereitet sein. Für die mittelständischen Unternehmen gibt es heute ein weit verzweigtes Netz an Beratungsstellen, an die sich potenzielle Nachfolger oder auch Betriebsinhaber wenden können. Die Berater helfen dann bei allen Fragen wie um Unternehmenskonzept, zur staatlichen Förderung, zur Schätzung des Betriebes oder zur Abwicklung einer Betriebsübernahme. In vielen Fällen kann auch die Hausbank weiterhelfen und nennt erfahrene Berater.
Überlegungen zur Unternehmensnachfolge
- Existiert eine strategische Unternehmensplanung für die nächsten fünf Jahre?
- Sind Zeitpunkt und -plan für die Übergabe bereits festgelegt?
- Gibt es ein detailliertes Anforderungsprofil für die Nachfolge?
- Wurde die Unternehmensnachfolge mit Ihren Führungskräften diskutiert und werden Ihre Pläne akzeptiert?
- Verfügen Sie über qualifizierte Ansprechpartner, die Sie bei der Planung und Umsetzung begleiten (Rechtsanwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Bankberater)
- Ist sichergestellt, dass der Bestand des Unternehmens nicht durch Erbstreitigkeiten gefährdet werden kann?
- Gibt es eine Notfallplanung, falls die ursprüngliche Nachfolgeregelung hinfällig wird?
- Existieren Regelungen für den Fall, dass die Unternehmensleitung kurzfristig und unerwartet für längere Zeit oder ganz ausfällt?
- Beratungsgesellschaft für das Handwerk GmbH
- Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft
- Handwerkskammer der Region
- Industrie- und Handelskammer der Region
- Betriebsbörse im Internet: www.change-online.de
- Unternehmensberatung: www.fare-consult.de
- Ihre Hausbank: Volksbank, Raiffeisenbank
Texte frei zur privaten Nutzung mit Quellenangabe erlaubt!


